Allgemein höhere Bildung, mein Leben & ich

Allgemein höhere Bildung, mein Leben & ich

(Deutsch-Hausaufsatz der 8C bei Prof. Ute Eisinger zum Thema:

Wie erwarte ich mir – bald verbrieft – meine allgemeine höhere Bildung?)

 

Der erste Schultag, eine quietschbunte Schultüte, lachende Kinder, der erste Misserfolg, Enttäuschung und Tränen, die verständnisvollen Eltern, Schulreisen, Freundschaften, Beziehungen, Druck, neue Inhalte, Herausforderungen – was ist es, das allgemein höhere Bildung ausmacht?
Und: Was macht sie mit mir?

Die eben aufgezählten Begriffe kommen mir in Form von Bildern und Emotionen in den Kopf, wenn ich die vergangen 12 Jahre meines Lebens Revue passieren lasse. Diese zwei Drittel meiner bisherigen Lebenszeit habe ich mit Bildung verbracht. Ich habe Verantwortung, Zeiteinteilung und Disziplin gelernt und mich parallel dazu in das soziale Leben gestürzt, dessen zu lernende Lektionen keinesfalls unterschätzt werden dürfen.

Doch nun stehe ich knapp vor dem Ende meiner Schulkarriere. Es bleiben nur mehr vereinzelte Schularbeiten und Tests, bis es so weit sein wird: die finale Testung. Die Matura, die wie ein ominöser Geist seit mehr als einem Jahrzehnt vor mir schwebt, wartet auf mich.
Man sagt, dass sie es ist, die man für ein gutes Leben braucht. Außerdem soll sie eines der Schlüssel-Erlebnisse der Jugend sein und nach ihrer Überwindung, als Hürde, erlebe man einige der glücklichsten Stunden obendrein. Sie soll mich in wenigen Monaten für „reif“ erklären.
Nun, liebe Matura, lieber Abschluss einer allgemein höher bildenden Schule, bin ich deiner denn würdig? Was habe ich mitgenommen aus den vielen Jahren, wurde die Zeit tatsächlich sinnvoll investiert? Was bleibt schlussendlich hängen, nach einer Zeit, die manchmal ewig lang erschien und nun doch mit einem Wimpernschlag verging? Mit gutem Gewissen kann ich sagen: vieles.

Niemals würde ich abstreiten, dass ich vieles von dem durch Lehrer mühsam eingetrichterten Fachwissen in Rekordzeit mit dem Teststoff eines anderen Fachs überschrieben habe.  Genauso stehe ich auch dazu, dass ich mich für manche Themen nie wirklich begeistern konnte und deswegen dem Wissen gar keine Chance gelassen habe, sich langfristig in meinem Kopf zu verankern. Doch ich finde, das ist okay. Denn viel wichtiger als das ist für mich, dass ich gelernt habe, mich in dieser Welt auf meinen eigenen Beinen zurechtzufinden.
Die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen, die Toleranz gegenüber anderen, die Spielregeln der sozialen Welt, die kleine Stimme in meinem Kopf, die mir Selbstbewusstsein zuspricht und somit beinahe das Aller-wichtigste: der Blick für das große Ganze, der Blick für diese Welt und für mein Leben, der mir hilft, auch in Situationen der Überforderung nicht den Kopf zu verlieren oder aufzugeben. Meiner Ansicht nach sind das wichtige Lebenslektionen, die als Nebeneffekt zu dem Bildungsaspekt im klassischen Sinn dazukommen. Lebenslektionen, die mich für den Rest meines Lebens prägen werden.

Die zehn größten Staaten Asiens? Die Anzahl der Zähne eines Mehrschweinchens? Beethovens Geburtsjahr? In meinem Kopf findet sich eine vage Erinnerung, (richtige) Antworten aber nicht. Schlechtes Gewissen? Ebenfalls zu verneinen, denn diese Antworten brauche ich nicht jederzeit abrufbar. Was wichtig ist  aber schon, und das habe ich mir gemerkt: wie unsere Welt funktioniert.

Ich  kann nur für mich sprechen, aber ich finde, dass die Grundlagen verschiedener Wissensgebiete Voraussetzung sind, um später einmal mitreden und sinnvoll urteilen zu können. Und damit meine ich sicherlich nicht Zahlen, Namen und Fakten, die man im glücklichsten Fall genau einmal im Leben brauchen kann, nämlich wenn man schweißgebadet auf einem Drehstuhl Herrn Assinger gegenübersitzt.
Nein, was ich meine, ist zum Beispiel unsere Geschichte, da sie eng mit unserer Zukunft verstrickt ist. Oder grundlegendes Wissen über die Natur, denn schließlich wollen wir mitten in und mit ihr leben. Oder die Funktionsweise unseres Gehirns oder Sprachen: Wer sein Anliegen nicht passend artikulieren kann, wird es nie weit bringen können. Kurz gesagt, von allen Gebieten ein bisschen, nicht zu viel, nicht zu wenig; der Rest kann situationsgemäß mithilfe erlernter Möglichkeiten zur Wissensbeschaffung mithilfe des Internet bei Beherrschung der Sprache vervollständigt werden.
Genau dies wurde mir in den letzten Jahren vermittelt, einerseits durch den Schulunterricht und andererseits durch meine Familie. Beide haben das gut gemacht, denn sie haben mich durch mein Erwachsenwerden begleitet, mich ermutigt, die Welt zu hinterfragen, Zweifel zu äußern.

Nach dieser doch sehr langen Zeit der Bildung fühle ich mich in der Lage, Verantwortung zu übernehmen und mein eigenes Urteil zu bilden. Ich verspüre außerdem die Verpflichtung, das Handwerkszeug, was mir mitgegeben wird, in Zukunft auch sinnvoll einzusetzen.
Wichtig für mich ist dabei, zu erkennen, dass ich nur einen Teil des benötigten Wissens habe und ich nie auslernen werde – so vielfältig ist unsere Welt. Doch ich bin mir darüber im Klaren. Im Klaren, dass in meinem Puzzle noch viele weiße Felder offen sind, die mit gut geprüftem Wissen gefüllt werden wollen.
Ich wurde gebildet, um sowohl meine Persönlichkeit weiterzuentwickeln, als auch um die Grundmauern des Wissens zu legen. Jetzt, 12 Jahre nach Anfang dieses Projekts, bin ich fähig dazu, die weißen Flecken meines Geistes eigenständig zu füllen: Ich bin allgemein höher gebildet. Ich bin reif. Ich bin bereit.

 

Hannah Novak, 8C